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micardo: Gebrauchtwagen und die Fabel vom Bambus

Schon mal nach einem Gebrauchtwagen online gesucht? Laut diverser Statistiken hast du das sehr wahrscheinlich schon gemacht. Mittlerweile wird in rund acht von zehn Fällen im Netz nach dem Gefährt der Wahl gesucht. Doch warst du immer glücklich mit deiner Entscheidung? Und war das Auto günstig? Vielleicht hast du auch schon einmal einen “Montagswagen” erwischt? Ein Grazer Startup hat es sich zum Ziel gesetzt, den Gebrauchtwagenmarkt mit einer Rundum-Sorglos-Lösung aufzumischen.

Entstanden ist die Gründungsidee von micardo natürlich bei der Gebrauchtwagensuche. Gründer Stefan Fedl suchte privat erfolglos nach dem passenden Auto in Österreich – mit vielen negativen Erkenntnissen: Entweder waren die Fahrzeuge zu teuer, hatten nicht die richtige Ausstattung, oder es gab einfach zu wenige davon. In Deutschland fand er dann sein passendes Modell. Der reine Mengenvorteil in Deutschland wirkt sich drastisch auf den Preis aus: ein 14-fach größeres Angebot mit 1.400.000 Gebrauchtwagen ermöglichen eine Ersparnis von bis zu 25%! Doch damals, im Jahr 2012, gab es keine Online-Suchmaschine, die einen sinnvollen internationalen Preisvergleich zuließ. Stefan musste also das Einrechnen der NoVA zur Vergleichbarkeit Österreich/Deutschland selbst durchführen. Ist erstmal der finale “Österreich-Preis” berechnet, ist leider noch immer nicht Schluss: Bürokratische Wege sind fällig (Generalimporteur, Finanzamt), sowie die Auto-Abholung selbst, bis das Gefährt der Wahl endlich angemeldet werden kann. Ein insgesamt sehr umständlicher Prozess.

Das micardo Sorglos-Paket: Gebrauchtwagen europaweit sicher online kaufen.

Der ambitionierte Gründer wollte diesen Prozess einfacher gestalten. Mit micardo erschuf er eine Vergleichsplattform, die den Preisvergleich über Österreichs Grenzen hinaus ermöglicht. micardo gibt volle Übersicht über das Angebot in Europa mit vollautomatischer Berechnung der Importkosten. Auf Wunsch wird das Auto mit dem Sorglos-Paket sogar vor die Haustür gestellt – anmeldefertig, von Experten überprüft und mit Garantie. “Es muss egal sein, wo das Auto oder der Käufer ist”, erklärt Stefan dazu und macht ziemlich klar, worum es hierbei geht. Gemeinsam mit den Mitgründern Patrick Schwarzenberger und Florian König und fünf weiteren Mitarbeitern steht der sichere Prozess beim Autokauf im Vordergrund.

2012 wurde die Idee zu micardo geboren, doch erst 2015 fasste Stefan den Mut zur Selbständigkeit. Stefan war zu diesem Zeitpunkt gerade fürs Produktmanagement in einem Software-Unternehmen verantwortlich, also in guter Position. Eines Abends stellte Stefan sich die Frage: “Willst du dir jemals selbst vorwerfen, es nicht probiert zu haben?”. Tags darauf kündigte Stefan seinen aussichtsreichen Angestellten-Job, und nahm das Projekt Vergleichsportal ab sofort selbst in die Hand. Er nahm darauf am Unternehmensgründerprogramm (UGP) des AMS teil und pitchte seine Idee bei Events des IdeenTriebwerk Graz. Dort lernte er auch seine Mitgründer Flo und Patrick kennen. Seit der Gründung im Mai 2016 arbeiten die drei Gründer Vollzeit an ihrem Projekt. Belohnt wurde die harte Arbeit bisher mit mehreren Förderungen und einem sechsstelligen Investment von Maximilian Seidel und der Situlus Holding.

Die Gründer König, Schwarzenberger und Fedl mit Investor Maximilian Seidl (v.l.n.r.)

Wie bei vielen Gründungen gab es auch bei micardo zunächst einige Hürden zu überwinden. Anfangs nutzten nur wenige User das Vergleichsangebot des Jungunternehmens. “Nur der Markt zählt, man muss das Produkt an den Bedürfnissen der Kunden entwickeln”, erklärt Stefan die heutige Herangehensweise. Auch Diskussionen innerhalb des Teams sind nun effizienter: “Man muss einfach viel mehr ‘machen’ und testen, und weniger diskutieren. Nämlich Kleinigkeiten, die große Unterschiede machen können.”

Stefan Fedl hat in den vergangenen Jahren viel Erfahrung gesammelt, auch so manch Unangenehmes. Erfahrung, die er künftig gerne in Buchform bringen möchte – Titel noch geheim. Für uns nimmt er jedoch gerne ein wichtiges Learning vorweg:

Als die drei wichtigsten Eigenschaften für Gründer nennt er Vertrauen (“zueinander und in die Idee”), Disziplin und Geduld (“der wichtigste Punkt”). Großen Visionen stünden natürlich immer bestimmte Probleme im Weg, aber durch diese drei Eigenschaften könnte man diese Herausforderungen meistern. Früher oder später würde es laufen. Es fehle oft nicht viel, man müsse an den kleinen Schräubchen drehen.

Stefan vergleicht das mit einem Bambus. “4 Jahre lang gießt und pflegt man den Bambus täglich, ohne dass etwas passiert. Man ist nichtmal sicher, ob die Knospen noch leben. Dann wächst der Bambus plötzlich innerhalb von 90 Tagen 20 Meter. Die Geduld und Ausdauer für ein Startup kostet Kraft für alle im Team, aber es ist für eine gute Sache und zahlt sich aus.” Man sieht: Die Motivation für das Projekt ist jedenfalls da.

“Startup ist kein Kindergeburtstag. Den Automarkt transparenter zu gestalten ist das Ziel. Dazu haben wir uns selbst verpflichtet und werden das auch schaffen”, sieht er zuversichtlich in die Zukunft. “Ich möchte, dass das mein Lebenswerk wird”. Die weitere Internationalisierung, weitere Vergleichs-unterstützende Tätigkeiten und Produktverbesserungen sollen es bald ermöglichen, jedes Land in Europa zu vergleichen.

Man kommt zum Schluss nicht umhin, zu fragen, welches Fahrzeug denn zukünftig in der Garage des Junggründers stehen soll. Es sind sogar zwei. Ein Audi RS6 als “Pampersbomber” in der Farbe “Daytonagrau Perleffekt”. Unbedingt aber auch ein Lamborghini Huracán Performante Spyder in giftgrünem “Verde Mantis” fürs Wochenende 😉

Hier erfährst du mehr zu micardo: www.micardo.com.

Auch giftgrün, aber kein Huracán: Der Transport eines Golf Caddy inkl. A5 im Schlepptau.

Das passiert in der steirischen Gründerszene

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