Eveline Steinberger-Kern bei Venturepreneurship Aula: Von Chuzpe und Nächstenliebe

Studierende, angehende Gründer, Vertreter aus Corporates und Industrie und universitäre Würdenträger versammelten sich am 01. Dezember zahlreich in der Aula der Karl-Franzens-Universität Graz, um den Ausführungen einer Frau besonders zu folgen: Eveline Steinberger-Kern, vielfache Unternehmerin, Gründerin und Geschäftsführerin von The Blue Minds Company.

Die „Venturepreneurship Aula“, regelmäßig organisiert vom Zentrum für Entrepreneurship und angewandte Betriebswirtschaftslehre der Uni Graz unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Alfred Gutschelhofer, brachte mit Eveline Steinberger-Kern eine erfahrene und zuletzt heiß diskutierte Startup-Persönlichkeit für eine Keynote in die Aula der Uni Graz.

Hinter der von Steinberger-Kern gegründeten Blue Minds-Gruppe steht ein Netzwerk aus Startup-Inkubatoren (Blue Minds Factory), Consulting-Unternehmen (Blue Minds Solutions), ein globales Austauschprogramm mit Unternehmen im Silicon Valley (Innovation Club Network) und zahlreiche Unternehmensbeteiligungen in den Bereichen Clean Tech, Big Data und Internet of Things mit Fokus im DACH-Raum, Osteuropa, Israel und in den USA. Unter den Beteiligungen befinden sich unter anderem die Salzburger von has.to.be (cloudbasierte Management- und Abrechnungsplattform für Elektroladeinfrastruktur) oder Foresight aus Tel Aviv (Analyse von Smart-Meter-Daten für Kunden und Energieversorger).

Steinberger-Kern, ursprünglich Energiemanagerin und Expertin für erneuerbare Energien bei Verbund und Siemens, betonte in ihrem Vortrag die Zusammenarbeit von Großunternehmen und Startups. Im von ihr mitbegründeten Startup-Hub weXelerate in Wien will sie gerade dieses Bedürfnis der Industrie mit maßgeschneiderten Angeboten erfüllen. 16 Industriepartner treffen hier am Wiener Donaukanal auf 9.000 Quadratmeter auf 40 Startups. Die zweite Ausschreibungsrunde für das kostenlose 100-Tage-Accelerator-Programm endete vor wenigen Wochen.

Bei der Frage, was sich der Gründungsstandort Österreich von Israel abschauen könnte, führte Steinberger-Kern besonders den Unternehmergeist und zwei hebräische bzw. jiddische Begriffe an: “Firgun”, die die einzigartige unternehmerische Nächstenliebe in Israel beschreibt, bei der Fehler und Erfahrungen ausgetauscht werden. Und “Chuzpe”, die die “unwiderstehliche Dreistigkeit” beschreibt.  Gründer in Österreich sollten sich mehr zutrauen. Gerade hier mokiert Steinberger-Kern die ihrer Meinung nach mangelnde Fehlerkultur in Österreich. Man solle innovativen Vorreitern mehr Fehlertoleranz zugestehen. Dennoch merkte sie in der Diskussion an: “Man muss es nicht überziehen.”

An die Keynote von Eveline Steinberger-Kern schloss eine Diskussionsrunde an, die große Megatrends der Zukunft und die Rolle von Startups genauer unter die Lupe nahmen. Frank Kappe ist darin geübt, eine Pionierrolle einzunehmen: “Es zählt nicht, was heute, sondern was in 5 Jahren als Trend gilt”. 1991 war der Dekan der Fakultät für Informatik und Biomedizinische Technik an der TU Graz Betreiber des ersten WWW-Servers in Österreich – zu einer Zeit als es weltweit nur 12 WWW-Server gab. Seit seinen Erfolgen mit Hyper-G/Hyperwave ist Kappe mit der Beteiligungsgesellschaft KaPa Ventures in 15 Startups investiert. Kürzlich investierte er 2,1 Millionen in das Startup mything. Zur Begründung, warum er gerade jetzt in den 3D-Druckmarkt einsteigt, meint er: “Es ist sehr diffizil, herauszufinden, wann der richtige Zeitpunkt dafür da ist. Dennoch ist er davon überzeugt, dass jetzt der richtiger Zeitpunkt für mything, einer Plattform für lokalen Handel mit 3D-Produkten sei. Für ihn werden die Verarbeitung von Daten, das Internet der Dinge und Entwicklungen in der diagnostischen Medizin das kommende Jahrzehnt prägen.

Für Karl Biedermann, Investment-Manager im Bereich Seedfinancing der AWS, befinden sich die großen Innovationen dieser Zeit besonders in Robotics und AI-Entwicklungen. Was laut Biedermann nicht (mehr) für Förderungen der aws interessant ist? “Die 100. App zum Matchmaking von X mit Y.” Es ginge bei innovativen Ideen um den “Schmäh, der nicht sofort erkennbar ist”.

Schließlich durften sich auf der Bühne des Events noch drei Startups vorstellen. Auf der Bühne präsentierten teamazing (bietet Alternativen zum klassischen Teambuilding), IPEAK (der virtuelle Personal Trainer) und BRI.TECH (selbstauflösende Implantate zur Versorgung von Knochenbrüchen) ihre Gründungsideen. In der Startup Expo waren dann einige Startups und Organisation aus Graz und der Region vertreten. So unter anderem die Kakaolimonade kahli, das elektronische Türschloss Nuki, die Blockchain-Initiative lab10 collective oder Projekte aus Spitzenforschungsteams der Uni Graz (Manfred Hartbauer, Institut für Zoologie; iGEM). Bei der “Night of the Startups” des Company Builder und Startup-Hubs Up to Eleven konnten sich die Teilnehmer zum Ausklang des Abends in der Café Bar Orange mit Persönlichkeiten aus der Startup- und Venture-Szene austauschen.

 

Fotos: The Schubidu Quartet

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